Wissenschaft "im Akkord": Schneller Projektantrag, schnellere Bilder
Am Institut für Photonische Technologien (IPHT) startete im Dezember ein neues von der Europäischen Union gefördertes Projekt. Projektpartner sind neben dem IPHT die Friedrich Schiller Universität Jena sowie das französische Unternehmen FASTLITE. Dabei erhalten die Partner keine wie üblich festgeschriebene Fördersumme, sondern einen kostenlosen Technologietransfer.
Die gleichzeitige Untersuchung von verschiedenen
Zellbestandteilen wird in Zukunft am IPHT schnell und einfach möglich
sein. Das von der EU geförderten Projektes "ACCORD" (Advanced
Components Cooperation for Optoelectronics Research and Development)
ermöglicht einen Technologietransfer von der Industrie in die
Wissenschaft und damit einen leichteren Zugang zu wichtigen
biologischen Daten, zum Beispiel der Verteilung von
Stoffwechselprodukten und Eiweißen in Zellen und Geweben. In der
Zukunft soll eine schnelle detailreiche Darstellung biologischer
Zellstrukturen möglich sein. Dieses ist eine Vorraussetzung für die
Unterscheidung von gesunden und kranken Geweben.
Um das zu erreichen, müssen die optischen Instrumente möglichst optimal
für den Endnutzer und seine speziellen Anforderungen zugeschnitten
werden. Dies kann nur durch die enge Zusammenarbeit von Industrie und
Forschung ermöglicht werden. Im Rahmen des Projektes werden deshalb
Wissenschaftlern neu entwickelte Komponenten und Systeme für die
photonische Instrumentierung kostenlos zur Verfügung gestellt. So
überlässt das 1999 in Paris gegründete Unternehmen FASTLITE den
Wissenschaftlern der Universität Jena und des IPHT für ein Jahr einen
programmierbaren Lichtmodulator zur Kontrolle von ultrakurzen
Laserpulsen. Dieser wird in ein am IPHT stehendes CARS-Mikroskop
integriert. Mit Hilfe dieser speziellen mikroskopischen Methode ist es
unter anderem möglich, lebende Zellen ohne Anfärbung und mit
hochauflösender Bildgebung zu untersuchen. Die Methode beruht auf der
Wechselwirkung von Licht und Materie. Das Licht wird an den Molekülen
in der Zelle charakteristisch gestreut und liefert überdie Information
der Schwingungen eine Art Fingerabdruck, der einem Molekül eindeutig
zugeordnet werden kann.
"Mit der neuen Komponente können wir den komplexen Aufbau unseres
CARS-Mikroskops erheblich zu vereinfachen und dessen Bedienbarkeit
wesentlich verbessern" so Dr. Benjamin Dietzek, Leiter der
Nachwuchsgruppe Ultrakurzzeitspektroskopie am IPHT. Bisher waren nur
hochqualifizierte und sehr erfahrene Wissenschaftler in der Lage,
Änderungen an den Einstellungen der Laser vorzunehmen um die
Aufnahmemöglichkeiten des Mikroskops zu verbessern. Die Abmessung der
mehrere Quadratmeter einnehmende CARS-Mikroskopie-Anlage könnte nun
verringert werden.
Besonders erfreut war Dr. Dietzek wie schnell und unkompliziert der
Projektantrag gestellt werden konnte, der ihm jetzt eine einfachere und
schnellere Bildgebung bei der Mikroskopie erlaubt. Mit Hilfe des neuen
Moduls ist es vorstellbar, dass wissenschaftliches Personal nach nur
kurzer Einweisung selbstständig verschiedene Untersuchungen durchführen
kann. Des Weiteren ermöglicht der "DAZZLER", so der Name der neuen
Komponente, die gleichzeitige Untersuchung von verschiedenen
Zellbestandteilen sowie deren genauen Unterscheidung. So können zum
Beispiel verschiedene Proteine nach ihren Bindungspartnern oder
speziellen funktionellen Gruppen in der Zelle unterschieden werden.
Die Biophotonikforschung zielt auf die Entwicklung neuer effizienter
Werkzeuge für eine schnelle Diagnostik sowie für bezahlbare Therapien.
"Photonischen Technologien für die Lebenswissenschaften stellen auch am
IPHT einen entscheidenden neuen Schwerpunkt dar", betont Prof. Dr.
Jürgen Popp, Wissenschaftlicher Direktor des Institutes. Mit Hilfe
modernster optischer Technologien soll die zukünftige
Gesundheitsversorgung erheblich verbessert und auf den einzelnen
Patienten individuell zugeschnitten werden. "Das Projekt ACCORD schlägt
eine wichtige Brücke von der Grundlagen- über die angewandte Forschung
bis zur Industrie", so Popp.
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