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Hannover sticht Cambridge aus

Ein neuer Spitzenforscher für die Leibniz-Uni: Der Physiker Reinhard Werner tritt zum 1. April 2009 eine Professur für Quantentheorie an.

Quelle: HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG, 19. JULI 2008 · NR. 168
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Professor Reinhard Werner

Die Quantenphysiker der Leibniz Universität, die im Exzellenzwettbewerb punkten konnten, bekommen exzellente Verstärkung: Prof. Reinhard Werner von der Technischen Universität Braunschweig tritt zum 1. April 2009 eine Professur für Quanteninformationstheorie an der hannoverschen Hochschule an. Auf diesem Fachgebiet gilt der 54-jährige Wissenschaftler als Koryphäe. Gemessen an seinen Forschungsleistungen kommt er unter die „Top Ten“ weltweit. Für den Ruf nach Hannover hat Werner sogar ein Angebot der Universität im britischen Cambridge ausgeschlagen – dort hätte er in einer Abteilung forschen können, wo der weltbekannte Physiker Stephen Hawking lehrt. Uni-Präsident Prof. Erich Barke sieht das als Beweis dafür, dass die hannoversche Physik im internationalen Vergleich bestens dasteht.

„Das Angebot aus Hannover war einfach gut“, sagt Werner. Er hat die Zusage, dass neben seiner Professur eine weitere Professorenstelle für sein Fachgebiet geschaffen wird, auch einen Juniorprofessor aus Braunschweig kann er an die Leibniz-Uni mitbringen. Drei Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und neun Doktorandenstellen gehören zudem zur personellen Ausstattung von Werners Professur am Institut für Theoretische Physik in der Appelstraße.

Dort wird er in Nachbarschaft zu den im Exzellenzwettbewerb ausgezeichneten Quantenphysikern um Prof. Wolfgang Ertmer und Prof. Karsten Danzmann arbeiten, die in dem Projekt „Quest“ an hochpräzisen Messverfahren forschen und zugleich den Geheimnissen von Naturphänomenen wie der Schwerkraft auf die Spur kommen wollen. Während die „Quest“-Forscher experimentell ans Werk gehen, ist Werner für die Theorie zuständig. „Unsere Arbeitsgebiete ergänzen sich gut“, sagt der Wissenschaftler. Er beschäftigt sich mit den mathematischen Grundlagen der Quantenphysik, in der die Wechselwirkung winzigster Teilchen eine tragende Rolle spielt. Denkbare Anwendungen in diesem Bereich seien auch neue Verschlüsselungstechniken, erklärt Werner. Zudem tüfteln die Forscher an einem superschnellen Quantencomputer.

Der verheiratete Vater einer 18- und einer 21-jährigen Tochter, der seit 1997 in Braunschweig lehrt, wird bis auf Weiteres in seinem Wohnort Wolfenbüttel bleiben und nach Hannover pendeln. Einige seiner künftigen Kollegen hat er bereits kennengelernt. Nach den Semesterferien will er die Kontakte weiter ausbauen. Die Berufung wäre ohne die vom Wissenschaftsministerium angeschobene Niedersächsische Technische Hochschule (NTH) nicht möglich gewesen, sagt Barke. In dem Verbund, der offiziell im Oktober an den Start gehen soll, werden die Leibniz-Uni, die TU Braunschweig und die TU Clausthal intensiver zusammenarbeiten und auch Professoren gemeinsam berufen.

Teamarbeit: Karsten Danzmann, Experimentalphysiker der Leibniz-Uni, ist einer der künftigen Kollegen von Reinhard Werner.
Teamarbeit: Karsten Danzmann, Experimentalphysiker der Leibniz-Uni, ist einer der künftigen Kollegen von Reinhard Werner. Archiv

Exzellente Pläne

Hannovers Hochschulen und Forschungsstätten wollen zusammen ganz weit nach vorn kommen. Sie planen, in der neuen Runde des Exzellenzwettbewerbs von Bund und Ländern einen gemeinsamen Antrag in der begehrtesten der drei Fördersparten einzureichen. Diese „Zukunftskonzepte“ wurden in den bisherigen Wettbewerbsstaffeln mit jeweils rund 100 Millionen Euro für fünf Jahre gefördert. Bisher konnten allerdings nur einzelne Hochschulen solche Anträge stellen – sie galten dann als „Elite- Uni“. Es gebe aber Signale, dass künftig auch Bewerbungen von Forschungsverbünden als „Zukunftskonzepte“ akzeptiert würden, erklären die Hochschulpräsidenten der Leibniz- Uni und der Medizinischen Hochschule, Prof. Erich Barke und Prof. Dieter Bitter-Suermann, übereinstimmend. Eine Entscheidung darüber fällt Ende November auf Bundesebene.

Auf Initiative von Oberbürgermeister Stephan Weil haben sich vergangene Woche die wichtigsten Vertreter des Forschungsstandortes Hannover getroffen. Dazu zählen Uni, MHH und Tierärztliche Hochschule, das Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin, das Max- Planck-Institut für Gravitationsphysik, das Laser-Zentrum und das Geozentrum Hannover. Ziel sei es, ein „einigendes Oberthema“ zu finden, unter dem sich die Einrichtungen mit eigenen Schwerpunkten präsentieren könnten, erklärt Bitter-Suermann. „Das ist schon eine ganz besondere Herausforderung“, sagt Barke. Mit einem gemeinsamen Antrag rechnen sich die Partner größere Chancen aus. Denkbare Schwerpunkte sind Biomedizin, Lasertechnik und Physik.

von Juliane Kaune

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