31,2 Millionen Euro für Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Niedersachsen
30 Forschungsvorhaben im Rahmen des "Niedersächsischen Vorab" durch das Kuratorium der VolkswagenStiftung bewilligt - insgesamt in 2008 gut 64 Millionen Euro im "Vorab" zur Verfügung gestellt
Die VolkswagenStiftung vergibt einen Teil der zur Verfügung stehenden
Fördermittel auf Vorschlag der Landesregierung vorweg an
Forschungseinrichtungen des Landes Niedersachsen - gemeinhin als
"Niedersächsisches Vorab" bezeichnet (weitere Infos zu den Grundlagen
des Vorab am Ende der Pressemitteilung).
Bewilligt wurden im Rahmen des Niedersächsischen Vorab jetzt Mittel in
Höhe von insgesamt rund 31,2 Millionen Euro - und zwar für 30 Vorhaben.
Für das Jahr 2008 stehen damit im 'Vorab' insgesamt 64 Millionen Euro
zu Buche - ein Rekordergebnis auf dem Niveau des Vorjahres. "Besonders
setzen wir in diesem Jahr auf Projekte im Bereich Energieforschung und
Klimaforschung", sagte der Niedersächsische Minister für Wissenschaft
und Kultur, Lutz Stratmann, anlässlich der Kuratoriumssitzung. "Mit dem
Geld fördern wir vor allem interdisziplinäre Projekte, die maßgeblich
zur Exzellenz und Innovationskraft der niedersächsischen
Forschungslandschaft beitragen", ergänzt der Generalsekretär der
VolkswagenStiftung Dr. Wilhelm Krull.
Nach Wissenschaftsbereichen getrennt betrachtet, dominieren dabei die
interdisziplinär konzipierten Projekte mit 21 Millionen Euro, gefolgt
von den Lebenswissenschaften mit rund 4,4 Millionen Euro. Es folgen die
Geistes- und Gesellschaftswissenschaften mit 3,2 Millionen Euro. Auf
die Ingenieurwissenschaften entfallen Bewilligungen über rund 2,3
Millionen Euro.
Von den 31,2 Millionen Euro, die jetzt insgesamt bewilligt werden,
stehen 7,6 Millionen Euro für neue Vorhaben zur Verfügung. Diese werden
im Folgenden kurz vorgestellt.
Mit zwei Millionen Euro erstmals gefördert wird der Forschungsverbund
"Nachhaltige Nutzung von Energie aus Biomasse im Spannungsfeld von
Klimaschutz, Landschaft und Gesellschaft", der vor allem von den
Universitäten Göttingen und Hannover getragen wird. Übergeordnetes Ziel
der beteiligten Wissenschaftler ist es, Anbau und technische Konzepte
der Biomasseerzeugung und -nutzung unter Berücksichtigung ökologischer,
ökonomischer und sozialer Aspekte zu optimieren, um in einem zweiten
Schritt daraus übertragbare Leitlinien und Bewertungskonzepte zu
formulieren. Im Rahmen des Verbunds sollen auch Bioenergieprojekte
unterstützt oder angestoßen werden; zugleich ist eine begleitende
Erforschung derselben vorgesehen. Partner der beiden niedersächsischen
Universitäten sind die Hochschule Harz, das Niedersächsische Landesamt
für Bergbau, Energie und Geologie, die Universität Darmstadt sowie das
Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe.
Zunächst 550.000 Euro werden aus dem Niedersächsischen Vorab
bereitgestellt für den Forschungsverbund "Bürgernahes Flugzeug" am
neuen Campus Forschungsflughafen in Braunschweig. Konkret geht es um
die Entwicklung von leiseren, sparsameren und umweltfreundlicheren
Verkehrsflugzeugen. Die Arbeit führen grundlegende
Forschungsaktivitäten der Luftfahrtinstitute der Technischen
Universität Braunschweig und des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt zusammen.
Mit zunächst 500.000 Euro gefördert wird der Ausbau der
Nanobiophotonik/ Neurobiologie am Max-Planck-Institut für
Biophysikalische Chemie in Göttingen. In diesem Bereich arbeiten
Physiker, Chemiker, Biologen und Ingenieure daran, die menschliche
Zelle auf der Ebene der Nanoskala zu erschließen. Hauptziel der
Arbeitsgruppen unter Leitung des renommierten Wissenschaftlers
Professor Dr. Stephan Hell ist die Entwicklung einer optischen
Mikroskopie, mit deren Hilfe sich das komplizierte Zusammenspiel der
Proteine im Innern einer Zelle noch besser erfassen lässt. Können so
die Lebensvorgänge hinreichend genau verstanden werden, ist ein
wichtiger Schritt getan auf dem Weg, den molekularen Ursachen von
Krankheiten auf die Spur zu kommen. Kooperationspartner ist das
Forschungscluster "Neurophysiologie des Gehirns" an der Universität
Göttingen. Das Projekt hat wesentlich zum Bleiben Professor Hells in
Göttingen beigetragen, der einen Ruf an die Universität Harvard
zwischenzeitlich abgelehnt hat.
TWINCORE - das Zentrum für experimentelle und klinische
Infektionsforschung am Standort Hannover - ist ein
Gemeinschaftsvorhaben der Medizinischen Hochschule Hannover und des
Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung. Mit rund
einer Million Euro wird der Ausbau der Kooperation jetzt weiter
unterstützt. Ziel von TWINCORE ist es, auf dem Gebiet der
Infektionsforschung eine schnellere Übertragung wissenschaftlicher
Erkenntnisse in die klinische Anwendung zu erreichen. Hierfür
erforderlich ist unter anderem die Einrichtung einer sogenannten
Infections-Challenge-Platform (ICP), um bestimmte Infektionsversuche
vornehmen zu können.
Darüber hinaus erhalten mehrere Vorhaben erneut Mittel aus dem Niedersächsischen Vorab, darunter die folgenden:
Energie- und Klimaforschung
-- Mit drei Millionen Euro weiter gefördert wird der Forschungsverbund
"Klimafolgenforschung KLIFF", der eine interdisziplinäre Zusammenarbeit
von Klima- und Meeresforschern mit Meteorologen, Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlern, Biologen, Ingenieur- sowie Agrar- und
Forstwissenschaftlern vorsieht. Ziel des Verbunds ist es, die
Wissensgrundlage zu erweitern über die Auswirkungen des Klimawandels in
Niedersachsen. Die Ergebnisse des Forschungsverbunds sollen die Arbeit
der neuen Regierungskommission für Klimaschutz des Landes Niedersachsen
wesentlich unterstützen.
-- Mit 2,3 Millionen Euro weiterhin unterstützt wird der
Forschungsverbund "Energietechnik" der Technischen Universität
Clausthal.
-- Rund 1,6 Millionen Euro stehen zur Verfügung für den
Forschungsverbund "Historische und zukünftige Entwicklung des
Jadebusens" des Forschungszentrums Terramare e. V. in Wilhelmshaven.
Ziel des aus mehreren Teilprojekten bestehenden Vorhabens ist es,
aufbauend auf umfassenden naturwissenschaftlichen und
sozio-ökonomischen Datenbeständen ein Instrumentarium zu entwickeln,
das es erlaubt, Handlungs- und Entwicklungsoptionen für das
Küstengebiet aufzuzeigen. Diese sollen anschließend in einem Diskurs
aller Beteiligten umgesetzt werden.
Lebenswissenschaften
-- Mit einer Tranche von jetzt 4,45 Millionen Euro aus dem "Vorab" wird
die Translationsallianz Niedersachsen (TrAiN) im Bereich der
Pharmaentwicklung ausgestattet. Beteiligt sind die Universitäten in
Hannover und Braunschweig, die Medizinische Hochschule Hannover sowie
das Helmholtz-Institut für Infektionsforschung in Braunschweig und das
Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin in
Hannover. Mit der Translationsallianz Niedersachsen sollen die in
dieser Region vorhandenen Forschungskapazitäten auf diesem
Arbeitsgebiet zwischen den genannten universitären und
außeruniversitären Einrichtungen gebündelt werden. Ziel ist eine
effiziente Wertschöpfungskette - vom Molekül bis zum fertigen
Pharmaprodukt. Das Projekt TrAiN startet noch in 2008 und ist in
verschiedenen Aufbaustufen so konzipiert, dass es bis 2013 etabliert
sein sollte.
Informatik
-- Mit 1,4 Millionen Euro weiter gefördert wird das Learning Lab (L3S) der Universität Hannover.
-- 1,5 Millionen Euro erhält der Niedersächsische Forschungsverbund
"Gestaltung altersgerechter Lebenswelten" des Oldenburger Forschungs-
und Entwicklungsinstituts für Informations-Werkzeuge und -Systeme
(OFFIS); beteiligt sind zudem das Kompetenzzentrum HörTech an der
Universität Oldenburg und die Hochschule Vechta.
Niedersächsisches Vorab
Nach § 8 Abs. 2 der Satzung der VolkswagenStiftung setzt sich das
"Vorab" aus drei Teilen zusammen: Es umfasst zum einen den Gegenwert
der jährlichen Dividende auf nominal 77,3 Millionen Euro VW-Aktien, der
der VolkswagenStiftung aus der Beteiligung des Landes Niedersachsen an
der Volkswagen Aktiengesellschaft zusteht, ferner den Ertrag aus der
Anlage von 35,8 Millionen Euro aus einem Vertrag mit dem Land
Niedersachsen von 1987 sowie zehn Prozent der übrigen zur Verfügung
stehenden Mittel.
Kontakte
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 - 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
VolkswagenStiftung
Niedersächsisches Vorab
Prof. Dr. Hagen Hof
Telefon: 0511 8381 - 256
E-Mail: hof@volkswagenstiftung.de
Nieders. Ministerium für Wissenschaft und Kultur
Pressestelle
Kurt Neubert
Telefon: 0511 120 - 2604
E-Mail: pressestelle@mwk.niedersachsen.de



