Optische Industrie sucht Lichtexperten
Ein ganzer Hightech-Zweig lebt scheinbar mit einem Widerspruch: So befasst sich die Branche der optischen Technologien zwar fast ausschließlich mit Licht, doch in der Öffentlichkeit steht sie meist eher im Schatten. Dabei gehört die deutsche Optikindustrie im internationalen Vergleich ganz klar zu den Leuchttürmen: Sie beherrscht schließlich etwa 15 bis 20 Prozent des Weltmarkts.
Ihre Vielseitigkeit ist aber zugleich Fluch und Segen, denn die optische Industrie leidet gerade daran: Überall zu finden, aber selten auffällig sichtbar. Angesichts des großen Zukunftspotenzials dieses Markts dürfte die Wahrnehmbarkeit aber zunehmen. So verbuchten die rund 1000 deutschen Unternehmen dieser Spezial-Disziplinen in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten. Etwa achtzig Prozent der Betriebe sind mittelständisch. Damit Deutschland künftig seine Spitzenposition halten kann, macht sich die Branche für gezieltes Fördern zukunftsträchtiger Technologien stark.
Junge Leute gesucht
Kopfschmerzen bereitet ihr allerdings das Rekrutieren neuer Mitarbeiter. "Etwa siebzig Prozent der bei uns organisierten Unternehmen nennen den Fachkräftemangel als wichtigste Frage der nächsten zehn Jahre", sagt Stefan Diepenbrock, Sprecher des Hightech-Verbandes Spectaris, in dem 120 Firmen aus der optischen Hochtechnologie Mitglied sind.
Weil gerade für junge Leute in der optischen Industrie viele Job- und Karrierechancen schlummern, haben sich im Sommer ein Dutzend der führenden Unternehmen zu einer "Light Alliance" zusammengetan. Als Ziel hat sich diese Initiative gesetzt, den Bekanntheitsgrad der Licht-Wirtschaft zu erhöhen sowie Ingenieure und Naturwissenschaftler für die Tätigkeitsfelder auf diesem Gebiet zu interessieren: Denn die sind so breit gefächert wie ein Lichtstrahl, den ein Prisma in viele Farben zerlegt.
So stecken und verstecken sich ihre Produkte und Erfindungen in zahllosen Produkten des täglichen Gebrauchs. Angefangen bei Mobiltelefonen, Digicams und LCD-Bildschirmen lässt sich die Liste über Medizin- und Halbleitertechnik bis zum Maschinenbau oder zur Energietechnik verlängern. Genau darüber will die Allianz des Lichts aufklären und Beispiele aus der Praxis populärer machen. So entwickelte ein deutsches Unternehmen ein Verfahren, das gefährliche Fettreste an Küchen-Abzugshauben mit Hilfe von Vakuum-UV-Lampen in Ozon und harmlose Asche verwandelt, die sich leicht wegkehren lässt. Ein anderer Betrieb entwickelt faseroptische Lichtleiter, mit denen Blutwerte von außen messbar werden - ohne Stich mit der Nadel.
"Für die großen Probleme unserer Zeit liefert die optische Industrie im Verbund mit anderen Technikfeldern die Lösungen", sagt Diepenbrock. "Zum einen wird auf dem Gebiet der Stromerzeugung mit Sonnenlicht die Zahl der Photovoltaik-Anlagen weiter deutlich steigen. In der Beleuchtungstechnik gehört dagegen die Zukunft eindeutig den sparsamen LED-Lampen.
Lampen für sauberes Wasser
Und beim Aufbereiten von Trinkwasser steigt die Nachfrage nach speziellen UV-Systemen zum Entkeimen weltweit immer stärker." Beispielsweise baut ein Hanauer Unternehmen hierfür Speziallampen, die in Wasserkraftwerken bis zu 90 000 Liter Wasser pro Sekunde entkeimen können. Dafür sind Fachkräfte gefragt, die auch Interesse an internationalen Projekten haben. "Die Einsatzmöglichkeiten im Ausland sind höher als in vielen anderen Branchen", sagt Diepenbrock. "Auf vielen Feldern sind deutsche Firmen Weltmarktführer mit hoher Zukunftsfähigkeit. Daher wollen wir über die "Light Alliance" Studierenden naturwissenschaftlicher und technisch-mathemathischer Fächer die Joboptionen dieser potenziellen Arbeitgeber verdeutlichen."
Auch die Region Berlin-Brandenburg hat sich hier in wenigen Jahren zu einem wachsenden Industrie- und Forschungsstandort für optische Technologien entwickelt. Von insgesamt 380 Unternehmen des hier tätigen verarbeitenden Gewerbes sind 213 Unternehmen vor allem auf dem Gebiet der optischen Technologien tätig, 127 überwiegend in der Mikrosystemtechnik und 40 setzen in beiden Bereichen ihre Schwerpunkte. Ihr Umsatz wuchs von 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf knapp zwei Milliarden Euro 2007. Bundesweit sank der Umsatz der optischen Industrien 2008 zwar laut dem aktuellen Branchenbericht insgesamt um zwei Prozent auf knapp 22 Milliarden Euro. Das traf allerdings hauptsächlich den Export, der etwa zwei Drittel des Geschäfts ausmacht. Hier erwirtschaftete die optische Hochtechnologie voriges Jahr 14,4 Milliarden Euro.



