Sie sind hier: Startseite Aktuelles Partnernews & Archiv März Im Tiefenrausch
Navigation
zusammengeschlossen in
Partner von
Nachwuchsförderung
Mitglied von
Kooperationspartner der

22. - 25. Mai 2012
 
Artikelaktionen

Im Tiefenrausch

Die 3-D-Technik erobert die Wohnzimmer: Was taugen die neuen Bildschirme, die räumliches Zuschauen ermöglichen sollen?

Quelle: Spiegel Online, 15.03.2010

 

Erst wurden die Bildschirme immer breiter. Dann immer flacher. Und schließlich berührungsempfindlich. Fast so kurzatmig, wie es früher nur in der Modewelt üblich war, präsentieren Elektronikfirmen die neue TV-Frühjahrskollektion. In dieser Saison geht es in die dritte Dimension: Fernseher sollen räumliche Tiefe zeigen.


Der Trend begann im Kino mit 3-D-Animationsfilmen wie "Ice Age 3" oder "Oben". Für den Durchbruch sorgte in diesem Winter aber das Alien-Drama "Avatar", dessen fast greifbar plastische Landschaftsmalerei über die Flachheit seiner Handlung hinwegträgt und ihn zum erfolgreichsten Film der Kinogeschichte machte.

Kaum eine Woche nach der Cebit werden jetzt die ersten Fernseher der neuen Generation ausgeliefert, die dreidimensionale Bilder zeigen können - vorausgesetzt, man setzt eine der beigelegten 3-D-Brillen auf und legt einen passenden Film in das Abspielgerät.

Konzerne wie Panasonic oder Samsung preschen vor. Samsung bietet sogar gleich eine ganze 3-D-Heimkinoanlage an. Die überrumpelte Konkurrenz wehrt sich mit eiligen Ankündigungen: Philips will noch im Sommer die Umrüstung dann bereits ausgelieferter Fernseher auf 3-D-Technik anbieten, Sony seine Spielkonsole "Playstation 3" per Software-Update 3-D-tauglich machen.

Erste Versuche des künstlichen Raumsehens liegen 170 Jahren zurück

Das künstliche Raumsehen steht also kurz vor dem Durchbruch - seit über 170 Jahren. Damals entwickelte der britische Physiker Charles Wheatstone ein sogenanntes Stereoskop: einen Schaukasten, der den beiden Augen des Betrachters jeweils ein leicht verschobenes Bild zeigt, wodurch im Gehirn der Eindruck von Tiefe entsteht. Als sein Kollege David Brewster 1851 auf der Weltausstellung in London ein Stereoskop präsentierte, spottete der Dichter Charles Baudelaire: "Bald darauf beugten sich Tausende gieriger Augenpaare über die Öffnungen des Stereoskops wie über die Dachfenster der Unendlichkeit."

Seit den fünfziger Jahren gab es dann immer wieder Versuche, die dritte Dimension auch auf die Kinoleinwand und ins Fernsehen zu bringen. Alle früheren Probeläufe floppten, da sie technisch unzureichend waren und den Betrachtern kaum Vergnügen bereiteten, dafür umso mehr Schwindelgefühle.

Doch seit die raumgreifenden Bildwelten mit modernster Computertechnik betrieben werden, könnte es wirklich klappen. Inzwischen gibt es ein halbes Dutzend konkurrierender Illusionstechniken. Jede hat ihre eigenen Stärken und Kinderkrankheiten (siehe Grafik links).

Bei Kinofilmen wie "Avatar" zum Beispiel werden abwechselnd zwei Filmperspektiven mit unterschiedlich polarisiertem Licht auf die Leinwand geworfen. Die Polarisationsbrille sorgt dann dafür, dass jedes Auge nur jeweils eine Perspektive wahrnimmt. Schöner Nebeneffekt für die Filmbranche: Kinopiraten haben Probleme beim heimlichen Abfilmen polarisierter Streifen.

Es geht sogar schon ganz ohne Brille

3-D-Fernseher verwenden eine etwas andere Technik: Auch sie präsentieren die bewegten Bilder rasch hin- und herwechselnd aus zwei Blickwinkeln; die Raumillusion entsteht dabei jedoch, indem eine "Shutterbrille" unmerklich schnell mal das eine, mal das andere Auge abdeckt.

Die Branche hofft, dass die bei Käufern eher unbeliebten Plasma-Bildschirme wieder eine Chance bekommen; durch die kurzen Schaltzeiten gelten sie als besonders geeignet für 3-D. Der Nachteil: Die Shutterbrillen sind klobig und schwer wie Kassengestelle der Nachkriegszeit. Zudem erscheinen die Bilder oft noch recht dunkel, wie durch eine Sonnenbrille betrachtet.

Es geht sogar schon ganz ohne Brille: Hightech-Bildschirme erzeugen den 3-D-Effekt, indem sie zwei Bilder in unterschiedliche Richtungen abstrahlen. Der Nachteil: Richtig gut funktioniert der Trick nur, wenn man allein vor einem solchen "autostereoskopischen" Bildschirm sitzt und sich möglichst wenig bewegt. Der Preis pro Monitor liegt oft bei über 10.000 Euro. Derzeit finden solche Spezialgeräte vor allem bei Medizinern und Ingenieuren Verwendung.

Der Tiefenrausch erfasst immer neue Geräteklassen

Derweil erfasst der Tiefenrausch immer neue Geräteklassen. Vorige Woche stellte Google eine 3-D-Erweiterung für sein Handy-Betriebssystem Android vor. Die Firma Carl Zeiss bietet bereits 3-D-Brillen für Handys an. Und sogar für Websites gibt es schon eine 3-D-Sprache namens XML3D. "Noch fehlt aber ein einheitlicher Standard", warnt 3-D-Experte Ulrich Leiner vom Heinrich-Hertz-Institut in Berlin.

ANZEIGE
Und noch ein nicht unwichtiges Detail fehlt: Inhalte. Zwar will der US-Sportsender ESPN zur Fußball-WM einen 3-D-Sender starten. Doch speziell Fußball mit seinen vielen Totalen bietet wenig Spielraum, um die Möglichkeiten des räumlichen Sehens voll auszuschöpfen.

Um taugliches Material für Raumdeutung zu generieren, sind Supercomputer bereits damit beschäftigt, alte Kinofilme nachträglich zu "3-D-isieren". Auch Regisseur George Lucas werkelt offenbar schon an einer Verräumlichung seines Weltraummärchens "Krieg der Sterne".

Noch allerdings lässt die nachträgliche Tiefenbehandlung häufig zu wünschen übrig. Mal wirken die Bildebenen flach wie Pappkulissen, mal führen sie zu einer Art Seh-Krankheit: Kopfschmerzen und Übelkeit.

PhotonicNet aktuell

ZIM-NEMO-Netzwerk für die Laserherstellung

Studienkompass Optische Technologien 2011/2012
Für Studienanfänger in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bremen und Hamburg.

PhotonicNet-YouTube-Channel
Interessante Videos rund um das Thema Optik

Die Innovationsliga
Partnerschaften von Schulen mit Unternehmen & Wissenschaft

Nur für Mitglieder:

Newsletter April 2012
Download (pdf, 700 KB)

PhotonicNet-Mailinglisten:

 

Fördermaßnahmen
Anmelden